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Engel,
Heilige, Gottvater
Waldsassen, 2001
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Erzengel
Raffael
Waldsassen, 2001
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Hl.
Petrus
Sandizell, 2001
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Sonne,
Mond und Mönch
Sankt Ottilien, 2001
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Bereits
zum dritten Mal stellt die Uttinger Malerin Angelika Böhm im Bahnhof
von St. Ottilien aus: Die Ausstellung ist diesmal bestückt mit Ölbildern
auf Leinwand, die in St. Ottilien sowie in verschiedenen Barockkirchen
wie z. B. in Waldsassen, Eresing oder Schondorf entstanden sind zwischen
1998 und 2002. Angelika Böhm hält Ausdrucksformen und deren Anmutung
auf Leinwand fest, die spirituelle Erlebnisse von mittelalterlichen Künstlern
wiedergeben. Bilder, die über zeitlich und räumlich begrenzte
Glaubensbekenntnisse hinausgehen und durch ihre tiefergreifende symbolische
Wirkung, wie Farbe, Glanz, Bewegung, Licht, Mimik und Gestik viel Sinn
und Sinnlichkeit ausstrahlen. „Eine sinnliche Erfahrung als ein Stück
vom Paradies, direkt erlebt und vor Ort in kräftige Ölfarben
umgesetzt", beschreibt die Malerin ihr Handeln.
Von kraftvollem Ausdruck
und intensiver Leuchtkraft der Farben präsentieren sich „himmlische
Eindrücke", die Angelika Böhm aus Utting am Ammersee im Bahnhof
von St. Ottilien zeigt: Sakrale Motive in markanter Ölmalerei, deren
Darstellung einen zutiefst geistlichen Hintergrund erspüren läßt,
hat die Künstlerin auf besondere Weise nachempfunden.
Die Malerin arbeitet meist,
nicht immer, mit einem schnellen, nervösen, an Pointillismus erinnernden
Spachtelstrich. So vermittelt die plastische Strukturierung der Primamalerei
eine äußerst effektvolle Optik: Eine heute eher seltene Technik,
die - im Gegensatz zur feinpinseligen Lasur - durch dicken Farbauftrag
pastoser Öltechnik erarbeitet wird. So formt ein schwungvoll aufgetragener
Farbenschlag den fast reliefartigen Charakter der Fläche und macht
die Qualität dieser Malerei aus. Angelika Böhm ist, und
darin steht sie weitgehend allein, eine moderne Pleinair-Malerin. Nachdem
sie im Gefolge der Romantik die Natur entdeckt hatten, waren die Maler
ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren Malutensilien hinausgezogen,
und noch die frühen Expressionisten hatten es gelegentlich so gehalten.
Dann aber verschwand die Kunstproduktion wieder in die Ateliers.
In einer Vielfalt des Lichts
und immer vorhandenen Gegenlichts ist die eindringliche Leuchtkraft der
Farben von flirrender Lebendigkeit geprägt. Über die Optik hinausgehend,
will Angelika Böhm zudem ihre Werke unter einen intuitiven Eindruck
gestellt wissen. Je nach Temperament, ihre Emotionen einbringend, malt
sie "aus dem Bauch heraus". Impressionistisch ebenso wie expressionistisch,
manchmal fast ins Abstrakte gehend, sieht auch schon mal "das Gelb noch
gelber und das Rot noch röter". Stets ist es ist eine reizvolle Aufgabe
für den Betrachter, diesen Stimmungen nachzuspüren.
Angelika Böhm hat sechs
Jahre an der Münchner Akademie bei den Professoren Sauerbruch und
Tröger studiert. Seit fast zehn Jahren sind ihre Bilder an verschiedenen
Orten in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, und sie lebt mittlerweile
als freie Malerin in Utting. Sie ist ein Profi, der sich aus Strömungen
herausgehalten hat und seinen eigenen Weg sucht. Naturbezug und Gegenständlichkeit
sind die Wurzeln dieser Malerei. Erhebliches Können in figürlicher
Gestaltung - ein Erbe ihres Meisters Rudi Tröger - kommt hinzu. Die
Frage, die sich stellt bei diesen Bildern, die einander sehr ähnlich
sind, ist, wohin der Weg weiter gehen könnte.
Dazu hat die Materin ihr
„Atelier" vorzugsweise in Kirchen verlegt oder darüber hinaus ganz
spezielle Bezugspunkte gewählt, denen sie sich seit langem verbunden
fühlt. Das reicht in die Kindheit zurück, etwa zur „Kirche Maria
Beinberg" in Schrobenhausen, wo sie aufgewachsen ist. Aber auch zu dem
„Sehnsuchtsengel" im Haus ihrer Großeltem. „Oft habe ich an ihn gedacht",
sagt die 43-Jährige, für die Engel nichts Niedliches, Süßes
sondern Mächtiges, Beschützendes symbolisieren sollen. Erhaben
in der Ausstrahlung hat sie dem „Erzengel Raffael" wie auch den Schutzengeln
von Waldsassen und Eresing dann auch diese Attitüde verliehen. Zarte
Lichtreflexe durchstreifen grünblaue Rächen, wenn die Künstlerin
in der Abenddämmerung einen Blick auf „Sonne, Mond und Mönch"
in den Säulengang des Klosters St. Ottilien wirft. Vom Fenster mit
den „Heiligenfiguren im Kerzenlicht" führt sie in das Tiefblau der
abendlichen Winterlandschaft und bringt in anderer Perspektive Fantastisches,
Surreales ein. Da kann es passieren, dass das St. Ottilienkolleg mit seinen
gotischen
Fenstern schon mal im schrägen Winkel erscheint. Dann wieder die „Madonna"
aus dem Günzburger Bioladen auf speziellem Format ihre Position behauptet:
Goldgelb strahlend hat sie in der Nische zwischen Tür und Fensterrahmen
mitten im Alltagsleben ihren Platz.
Ihr „Wichtigstes", die Altarfigur
der „Petruskirche in Sandizell", hat Angelika Böhm in das Sonnenlicht
und ein Meer von Farben getaucht. Flammend, lebendig, leidenschaftlich
besticht hier die Optik in markanter Spachteltechnik. So entstehen durch
mehrfachen Auftrag pastoser Ölfarben in schwungvollem Farbschlag reliefartige
Züge, zudem sorgen Nuancierungen in Gold für den besonderen Effekt.
„Auch Rembrandt hat plastische Goldlichter gesetzt, um die Materie zu verdichten"
weiß die Malerin. Denn Gold ist eine reflektierende Fläche,
nimmt wie ein Spiegel alles auf und vereint somit die gesamte Farbskala
in sich.
Was hat eine Künstlerin,
die bisher überwiegend in der freien Natur malte bewegen, auf „Motivsuche"
in Kirchen und Klöster zu gehen? „Die Idee hatte ich schon seit langem,
fand es anfangs aber eher ungewöhnlich. Doch dann begann ich, innere
Vorarbeit zu leisten", erklärt Angelika Böhm und hat bekannte,
vertraute Orte aufgesucht. So ergab sich eine Auswahl der Motive, es wurden
Gegebenheiten und Lichtverhältnisse sondiert: „Eine Zwiesprache der
eigenen Wahrnehmung und Vorstellung von dem, was einem entgegen kommt",
beschreibt sie es. Auf diese Weise entstanden bereits erste Skizzen im
Kopf, ehe die außergewöhnlichen Malprozesse begannen. Intensiviert
über viele Stunden, wie eine Meditation - eben himmlisch beeindruckend.
Die Ausstellung "komm lichter
Glanz und erfüll' mich ganz" ist noch bis zum 15. September
2002 im Bahnhof der Erzabtei Sankt Ottilen, täglich von 9 Uhr
bis 18 Uhr, zu sehen.
Textquellen:
Claire
Köndgen (MZ, Bad Wörishofen)
Ingrid
Zimmermann (Süddeutsche Zeitung)
Ausstellung
Teil I (mit 12 Bildern)
Ausstellung
Teil II (mit 9 Bildern)
Biografie
von Angelika Böhm
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