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kunst im bahnhof
 angelika böhm 

 
 
 
  "KOMM LICHTER GLANZ UND ERFÜLL'  MICH GANZ"
Himmlische Eindrücke und barocke Sinnlichkeit

4. August - 15. September 2002
täglich von 9.00 - 19.00
im Bahnhof von St. Ottilien
 

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Engel, Heilige, Gottvater
Waldsassen, 2001


 
 

 

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Erzengel Raffael
Waldsassen, 2001

 

 

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Hl. Petrus
Sandizell, 2001


 
 

 

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Sonne, Mond und Mönch
Sankt Ottilien, 2001

 
Bereits zum dritten Mal stellt die Uttinger Malerin Angelika Böhm im Bahnhof von St. Ottilien aus: Die Ausstellung ist diesmal bestückt mit Ölbildern auf Leinwand, die in St. Ottilien sowie in verschiedenen Barockkirchen wie z. B. in Waldsassen, Eresing oder Schondorf entstanden sind zwischen 1998 und 2002. Angelika Böhm hält Ausdrucksformen und deren Anmutung auf Leinwand fest, die spirituelle Erlebnisse von mittelalterlichen Künstlern wiedergeben. Bilder, die über zeitlich und räumlich begrenzte Glaubensbekenntnisse hinausgehen und durch ihre tiefergreifende symbolische Wirkung, wie Farbe, Glanz, Bewegung, Licht, Mimik und Gestik viel Sinn und Sinnlichkeit ausstrahlen. „Eine sinnliche Erfahrung als ein Stück vom Paradies, direkt erlebt und vor Ort in kräftige Ölfarben umgesetzt", beschreibt die Malerin ihr Handeln.

Von kraftvollem Ausdruck und intensiver Leuchtkraft der Farben präsentieren sich „himmlische Eindrücke", die Angelika Böhm aus Utting am Ammersee im Bahnhof von St. Ottilien zeigt: Sakrale Motive in markanter Ölmalerei, deren Darstellung einen zutiefst geistlichen Hintergrund erspüren läßt, hat die Künstlerin auf besondere Weise nachempfunden.

Die Malerin arbeitet meist, nicht immer, mit einem schnellen, nervösen, an Pointillismus erinnernden Spachtelstrich. So vermittelt die plastische Strukturierung der Primamalerei eine äußerst effektvolle Optik: Eine heute eher seltene Technik, die - im Gegensatz zur feinpinseligen Lasur - durch dicken Farbauftrag pastoser Öltechnik erarbeitet wird. So formt ein schwungvoll aufgetragener Farbenschlag den fast reliefartigen Charakter der Fläche und macht die Qualität dieser Malerei aus.  Angelika Böhm ist, und darin steht sie weitgehend allein, eine moderne Pleinair-Malerin. Nachdem sie im Gefolge der Romantik die Natur entdeckt hatten, waren die Maler ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren Malutensilien hinausgezogen, und noch die frühen Expressionisten hatten es gelegentlich so gehalten. Dann aber verschwand die Kunstproduktion wieder in die Ateliers.

In einer Vielfalt des Lichts und immer vorhandenen Gegenlichts ist die eindringliche Leuchtkraft der Farben von flirrender Lebendigkeit geprägt. Über die Optik hinausgehend, will Angelika Böhm zudem ihre Werke unter einen intuitiven Eindruck gestellt wissen. Je nach Temperament, ihre Emotionen einbringend, malt sie "aus dem Bauch heraus". Impressionistisch ebenso wie expressionistisch, manchmal fast ins Abstrakte gehend, sieht auch schon mal "das Gelb noch gelber und das Rot noch röter". Stets ist es ist eine reizvolle Aufgabe für den Betrachter, diesen Stimmungen nachzuspüren.

Angelika Böhm hat sechs Jahre an der Münchner Akademie bei den Professoren Sauerbruch und Tröger studiert. Seit fast zehn Jahren sind ihre Bilder an verschiedenen Orten in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, und sie lebt mittlerweile als freie Malerin in Utting. Sie ist ein Profi, der sich aus Strömungen herausgehalten hat und seinen eigenen Weg sucht. Naturbezug und Gegenständlichkeit sind die Wurzeln dieser Malerei. Erhebliches Können in figürlicher Gestaltung - ein Erbe ihres Meisters Rudi Tröger - kommt hinzu. Die Frage, die sich stellt bei diesen Bildern, die einander sehr ähnlich sind, ist, wohin der Weg weiter gehen könnte.

Dazu hat die Materin ihr „Atelier" vorzugsweise in Kirchen verlegt oder darüber hinaus ganz spezielle Bezugspunkte gewählt, denen sie sich seit langem verbunden fühlt. Das reicht in die Kindheit zurück, etwa zur „Kirche Maria Beinberg" in Schrobenhausen, wo sie aufgewachsen ist. Aber auch zu dem „Sehnsuchtsengel" im Haus ihrer Großeltem. „Oft habe ich an ihn gedacht", sagt die 43-Jährige, für die Engel nichts Niedliches, Süßes sondern Mächtiges, Beschützendes symbolisieren sollen. Erhaben in der Ausstrahlung hat sie dem „Erzengel Raffael" wie auch den Schutzengeln von Waldsassen und Eresing dann auch diese Attitüde verliehen. Zarte Lichtreflexe durchstreifen grünblaue Rächen, wenn die Künstlerin in der Abenddämmerung einen Blick auf „Sonne, Mond und Mönch" in den Säulengang des Klosters St. Ottilien wirft. Vom Fenster mit den „Heiligenfiguren im Kerzenlicht" führt sie in das Tiefblau der abendlichen Winterlandschaft und bringt in anderer Perspektive Fantastisches, Surreales ein. Da kann es passieren, dass das St. Ottilienkolleg mit seinen gotischen Fenstern schon mal im schrägen Winkel erscheint. Dann wieder die „Madonna" aus dem Günzburger Bioladen auf speziellem Format ihre Position behauptet: Goldgelb strahlend hat sie in der Nische zwischen Tür und Fensterrahmen mitten im Alltagsleben ihren Platz.

Ihr „Wichtigstes", die Altarfigur der „Petruskirche in Sandizell", hat Angelika Böhm in das Sonnenlicht und ein Meer von Farben getaucht. Flammend, lebendig, leidenschaftlich besticht hier die Optik in markanter Spachteltechnik. So entstehen durch mehrfachen Auftrag pastoser Ölfarben in schwungvollem Farbschlag reliefartige Züge, zudem sorgen Nuancierungen in Gold für den besonderen Effekt. „Auch Rembrandt hat plastische Goldlichter gesetzt, um die Materie zu verdichten" weiß die Malerin. Denn Gold ist eine reflektierende Fläche, nimmt wie ein Spiegel alles auf und vereint somit die gesamte Farbskala in sich.

Was hat eine Künstlerin, die bisher überwiegend in der freien Natur malte bewegen, auf „Motivsuche" in Kirchen und Klöster zu gehen? „Die Idee hatte ich schon seit langem, fand es anfangs aber eher ungewöhnlich. Doch dann begann ich, innere Vorarbeit zu leisten", erklärt Angelika Böhm und hat bekannte, vertraute Orte aufgesucht. So ergab sich eine Auswahl der Motive, es wurden Gegebenheiten und Lichtverhältnisse sondiert: „Eine Zwiesprache der eigenen Wahrnehmung und Vorstellung von dem, was einem entgegen kommt", beschreibt sie es. Auf diese Weise entstanden bereits erste Skizzen im Kopf, ehe die außergewöhnlichen Malprozesse begannen. Intensiviert über viele Stunden, wie eine Meditation - eben himmlisch beeindruckend.

Die Ausstellung "komm lichter Glanz und erfüll' mich ganz"  ist noch bis zum 15. September 2002 im Bahnhof der Erzabtei Sankt Ottilen, täglich von 9 Uhr  bis 18 Uhr, zu sehen.

Textquellen:
Claire Köndgen (MZ, Bad Wörishofen)
Ingrid Zimmermann (Süddeutsche Zeitung)
 

Ausstellung Teil I (mit 12 Bildern)
Ausstellung Teil II (mit 9 Bildern)

Biografie von Angelika Böhm

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Zum ersten Teil der Ausstellung
 
<last updated 15.09.02 by Siegfried Wewers OSB>